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Interview mit Frau Professor Chinwe Ifejika Speranza vom Geographischen Institut der Universität Bonn

Foto Prof. Speranza

(c) Foto: Friederike Pauk/GIUB

                                                

 

Frau Professor Ifejika Speranza ist Professorin für Entwicklungsgeographie am Geographischen  Institut der Universität Bonn. Schwerpunkt ihrer Professur ist „Umweltbezogene Risiko- und Vulnerabilitätsforschung“. Darüber hinaus betreut sie seitens der Universität Bonn den Master of Science in „Geography of Environmental Risks and Human Security“, welcher in Kooperation mit dem United Nations University Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) durchgeführt wird.

 

 


1. Frau Professor Ifejika Speranza, womit beschäftigt sich Ihre Arbeitsgruppe „Umweltbezogene Risiko- und Vulnerabilitätsforschung“ genau?

Unsere Lehre befasst sich mit verschiedenen Umweltrisiken und damit, wie Gesellschaft, Politik und einzelne Individuen mit diesen Risiken umgehen sowie mit den Faktoren, die die Handlungskapazitäten begünstigen oder einschränken. Für uns ist es wichtig, nicht nur auf die Auswirkungen von Umweltrisiken zu reagieren, sondern vor allem solche Auswirkungen wo immer möglich zu vermeiden. Wie kann Vulnerabilität oder Resilienz gegenüber Umweltrisiken erfasst werden? Welche Entscheidungshilfen werden benötigt, um auf Umweltrisiken vorbereitet zu sein und bei deren Eintreten besser darauf reagieren zu können und Folgeschäden zu vermindern? Mit solchen und ähnlichen Fragen befassen wir uns in der Lehre. Bei der Forschung sind es unterschiedliche Themen die Bezug auf umweltbezogene Risiken und Vulnerabilität nehmen. Zum Beispiel die Klimavariabilität, welche sich in außergewöhnlicher Trockenheit oder schweren Niederschlägen manifestiert und sich negativ auf die Ernährungssicherung auswirkt. Oder es werden Wege gesucht, wie umweltfreundliches Landmanagement unterstützt werden kann oder wie Überschwemmungen in urbanen Armenvierteln reduzierbar sind. Zudem befassen wir uns mit Umweltpolitik, einschließlich Klimapolitik auf nationaler und globaler Ebene.

2. Was sind Ihre persönlichen Forschungsinteressen?

Allgemein liegen meine Forschungsinteressen in Mensch-Umweltbeziehungen, insbesondere in Bezug auf Umweltrisiken, Landmanagement und Nahrungsmittelproduktion. Ich arbeite auch gerne mit Konzepten und deren Operationalisierung, damit sie für Exponenten der Politik und Praxis anwendbar werden. Neben der Vulnerabilität arbeite ich zurzeit mit dem Resilienz-Konzept.

3. Können Sie die Entstehungshintergründe für das Joint Master-Programm „Geography of Environmental Risks and Human Security“ erläutern?

Ich war nicht von Anfang an dabei. Aber Bonn als Standort von Forschungsinstitutionen zu Entwicklung und Entwicklungspolitik und vieler Organisationen, die sich mit Entwicklung und Umwelt befassen, darunter viele UN-Organisationen, hat bereits die Grundlage für eine derartige Kooperation gelegt. Die Universität Bonn und das United Nations University Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) kooperieren bereits in verschiedenen Bereichen. Der vom Geographischen Institut der Universität Bonn und dem UNU-EHS betreute Joint Master-Studiengang ist eine Erweiterung dieser Zusammenarbeit, die von den unterschiedlichen Kompetenzen der beiden Institute profitiert. Unsere zunehmend globalisierte Welt braucht Fachleute, um Lösungen für grenzüberschreitende Probleme und Herausforderungen insbesondere im Umweltbereich zu finden. Durch den Masterstudiengang bilden wir diese zukünftigen Fachleute aus.

Natürlich wäre das alles nicht ohne die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und seines Wissenschaftsministeriums möglich gewesen. Das Joint Master-Programm wird gemäß deutschem Recht durchgeführt, aber die United Nations University, als Teil der United Nations, lässt sich nicht unter ein nationales Rechtsystem stellen. Deshalb mussten Juristen auf beiden Seiten einen Weg finden, um diese Herausforderung zu meistern. Es dauerte schließlich über zwei Jahre, um die verschiedenen Schritte erfolgreich abzuschließen. Das Joint Master-Programm läuft nun seit fast zwei Jahren, und die erste Klasse wird dieses Jahr ihren Abschluss machen.

4. Wie ist die bisherige Resonanz auf den Studiengang, und wo sehen Sie die Besonderheiten des Programms?

Die Resonanz bleibt groß. Der erste Jahrgang umfasst 28 Studierende, die aus 87 Bewerbern und Bewerberinnen ausgewählt wurden. Im Jahr 2014 hatten wir 149 Bewerbungen. Dieses Jahr ist das Verfahren am Laufen, und es sind bereits 142 Bewerbungen eingegangen. Die Studierenden kommen aus verschiedenen Ländern, über 60% davon aus Entwicklungsländern. Mit dem Joint Master-Programm wurde weltweit Neuland betreten, und wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht und von der United Nations University auch anderswo in der Welt umgesetzt werden kann.

5. Wo sehen Sie die Stärken der Universität Bonn und ihrer Partner in Bezug auf Nachhaltigkeitsforschung?

Viele Organisationen in Bonn forschen bereits zu Nachhaltigkeit, darunter auch die Universität Bonn. Zum Teil ist Nachhaltigkeit bereits in verschiedenen Studiengängen, auch in der Geographie und im gemeinsamen Joint Master-Programm, integriert. Es gibt aber noch Raum, um die verschiedenen Arbeiten zu Nachhaltigkeit zu konsolidieren, zu intensivieren und vermehrt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

6. Was würden Sie sich für Ihre zukünftige Forschung wünschen?

Ein großes Forschungsprojekt zu akquirieren wäre schön.

7. Wie können globale Probleme in internationaler Zusammenarbeit erfolgreich gelöst werden? Welche Voraussetzungen brauchen wir dafür?

Es braucht sowohl individuelle Aktionen wie auch staatliches Eingreifen. Zum Beispiel, dass jede Person ihre/seine Umweltverschmutzung selbst verantworten muss und dies nicht auf andere Leute oder Weltregionen abschieben kann. Auf politischer Ebene muss dies partnerschaftlich geschehen – wir müssen globale Probleme wie Klimawandel, Armut, Hunger, Unterentwicklung, Verlust der Biodiversität und Krankheiten aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, um zu verstehen, wie die verschiedenen Akteure oder Staaten solche Probleme wahrnehmen. Dadurch werden wir die Probleme besser verstehen. Verhandlungen, wie zum Beispiel über den Klimawandel, auch wenn sie oft langwierig sind, sind unabdingbar. Auf Wissenschaftsebene braucht es vermehrte interdisziplinäre und transdisziplinäre Ansätze. Zwar brauchen wir disziplinäres Basiswissen, aber viele Probleme in der internationalen Zusammenarbeit sind so komplex, dass ein ausschließlich disziplinärer Ansatz ungenügend ist.

 

Weiterführende Hinweise


Master of Science in „Geography of Environmental Risks and Human Security”:

Im Wintersemester 2014/2015 ging der Master of Science in „Geography of Environmental Risks and Human Security” in die zweite Runde. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem United Nations University Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS) und dem Geographischen Institut der Universität Bonn entwickelt. 24 Studierende aus verschiedenen Nationen beschäftigen sich im Rahmen des Programms mit interdisziplinären Zugängen zu Umweltrisiken und menschlicher Sicherheit.

 

Links:

Website Frau Prof. Dr. Ifejika Speranza

Website Arbeitsgruppe Frau Prof. Dr. Ifejika Speranza

Website Joint Master-Programm „Geography of Environmental Risks and Human Security”

Mitteilung zum Start des Joint Master-Programms
 

Interview von Lisanne Riedel

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