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Interview mit Herrn Professor Jan Börner vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF)

Herr Professor Jan Börner ist Senior Researcher am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Im Rahmen seiner Arbeit fokussiert sich der Agrarwissenschaftler auf die Analyse der Zusammenhänge von Ressourcen- und Umweltökonomik. Seit 2012 hat er die Robert-Bosch-Juniorprofessur am ZEF inne und forscht mit seinem internationalen und interdisziplinären Team zu Politiken der nachhaltigen Bewirtschaftung der Amazonasregion.

  Portrait Prof. Börner

 

 

1. Herr Professor Börner, was sind Ihrer Meinung nach beispielhafte Umweltpolitiken für einen nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen?

Regenwald

Regenwald zwischen Acre und Rondônia, Brasilien, (c) Foto: Kate Evans für CIFOR

In unserer Arbeitsgruppe am ZEF beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Politikmaßnahmen, die die Nutzung von Land und den Schutz von Ökosystemdienstleistungen (zum Beispiel die Fixierung von Kohlenstoff in Tropenwäldern oder die Bereitstellung von Habitaten für wertvolle Tier- und Pflanzenarten) regeln. Gute Umweltpolitik in diesen Bereichen stellt klare Regeln auf und sorgt dafür, dass diese weitgehend eingehalten werden. Die Regeln sollten so gestaltet sein, dass sowohl Landnutzern als auch Steuerzahlern keine unnötigen Kosten entstehen. Gerade in Ländern mit hoher ländlicher Armut muss sich Umweltpolitik auch mit ihren sozialen Folgen auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund wird seit einigen Jahren und auch bei uns viel darüber geforscht, wie Umweltschutz durch positive finanzielle Anreize gefördert werden kann.

2. In Ihrer Projektgruppe „Shaping Environmental Policies for Sustainable Tropical Forest Bioeconomies” beschäftigen Sie sich seit 2012 mit der Frage, wie sich die vielfältigen Herausforderungen zwischen Landwirtschaft und Umweltdienstleistungen, die heute an die Amazonasregion gestellt sind, im Rahmen nachhaltiger Politik gestalten lassen. Was sind bisher Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

 

Entwaldung

Entwaldete Region um Rio Branco, Acre,
Brasilien, (c) Foto: Kate Evans für CIFOR

Wir haben uns in den ersten drei Jahren vor allem mit zwei Fragen beschäftigt: Zum einen wollten wir besser verstehen, wie wirksam bestimmte Tropenwaldschutzmaßnahmen sind und welche Kosten dabei entstehen. Brasilien hat es in den letzten zehn Jahren geschafft, die Entwaldungsraten in der Amazonasregion um ca. 80% zu reduzieren. Kein anderes Land mit größeren Tropenwaldbeständen kann solche Erfolge vorweisen. Unsere Studien zeigen, dass in Brasilien vor allem die bessere Koordination bestehender ordnungsrechtlicher Maßnahmen diesen Erfolg maßgeblich mitbestimmt hat. Es kamen aber auch innovative Maßnahmen, wie zum Beispiel die regelmäßige Veröffentlichung einer schwarzen Liste von Munizipien mit außergewöhnlich hohen Entwaldungsraten, zum Einsatz. Wir müssen aber auch konstatieren, dass die internationale Gemeinschaft, zum Beispiel im Rahmen der Verhandlungen um ein globales Klimaschutzabkommen, die Kosten des Tropenwaldschutzes unterschätzt hat. Selbst ein Schwellenland wie Brasilien muss erhebliche Summen in einen effektiven Waldschutz investieren. Zum anderen beschäftigte sich unsere zweite Frage mit der politischen Dimension der Ausgestaltung von Tropenwaldschutzmaßnahmen. Hier haben wir in Brasilien, Ecuador und Peru untersucht, unter welchen politischen Rahmenbedingungen innovative Umweltpolitikmaßnahmen umgesetzt werden. Diese Arbeiten zeigen, dass es oft landes- bzw. systemspezifische Gründe für die suboptimale Ausgestaltung von Politikinstrumenten gibt, die in der Erarbeitung von wissenschaftsbasierten Politikempfehlungen zu wenig berücksichtigt werden.

3. Wie können Ihre Erkenntnisse an politische Entscheidungsträger/innen und andere Zielgruppen kommuniziert werden, um einen maximalen Nutzen zu erzielen?

In den drei oben genannten Ländern haben wir festgestellt, dass politische Entscheidungsträger oft sehr gut mit der Wissenschaft vernetzt sind. Es mangelt also nicht grundsätzlich an der Kommunikation von Erkenntnissen. Vielmehr ist es wichtig, verhandlungsrelevante Informationen zum richtigen Zeitpunkt in die politische Debatte einzuspeisen. Bei allem notwendigen Abstand zur Politik braucht die Wissenschaft dazu in der Regel gute Partnerschaften, idealerweise mit Institutionen oder Organisationen, die politische Entscheidungsprozesse unterstützen. In einigen der Länder, in denen wir arbeiten, funktionieren solche Partnerschaften zum Beispiel sehr gut mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

4. Wo sehen Sie die Stärken der Universität Bonn und ihrer Partner in Bezug auf Nachhaltigkeitsforschung?

Acai Baumschule

Açaí Baumschule in Acre, Brasilien -
Staatliche
Initiative zur Wiederaufforstung,
(c) Foto: Kate Evans für CIFOR

 

Die Universität Bonn ist durch ihre große Diversität sehr gut aufgestellt, um Beiträge zur Nachhaltigkeitsforschung zu leisten. Dazu kommt, dass die Bonner Institutionenlandschaft vielfältige Partnerschaften für eine anwendungsbezogene und interdisziplinäre Forschung gerade zu internationalen Nachhaltigkeitsthemen ermöglicht. Hier gibt es noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. 

 

 

5. Was würden Sie sich für Ihre zukünftige Forschung wünschen?

Planungssicherheit und eine wie bisher angenehme und intellektuell stimulierende Arbeitsatmosphäre.

6. Wie können globale Probleme in internationaler Zusammenarbeit erfolgreich gelöst werden? Welche Voraussetzungen brauchen wir dafür?

Wir brauchen mutige Initiativen, die erste Schritte in Richtung eines kollektiven Handelns zur Lösung dieser Probleme machen. Norwegen hat zum Beispiel als erstes Industrieland bilaterale Milliardenverträge für den Tropenwaldschutz unterzeichnet und damit wichtige Beiträge zum Aufbau entsprechender ordnungsrechtlicher Strukturen unter anderem in Brasilien geleistet. Auch Deutschland engagiert sich seit vielen Jahren stark in diesem Bereich. Dabei halte ich es für wichtig, dass solche Initiativen nicht nur anhand kurzfristig messbarer Erfolgskriterien bewertet werden – denn dann käme die Nachhaltigkeit zu kurz.

   


Weiterführende Hinweise

 

Projektbeschreibung (in englischer Sprache) „Shaping Environmental Policies for Sustainable Tropical Forest Bioeconomies”:

Increasing global demand for food and energy and the prospect of a forest conservation mechanism in the United Nations Framework Convention on Climate Change represent major opportunities and challenges for bioeconomy development at tropical forest margins. Tropical forests are both a source of new agricultural land and providers of global ecosystem services, i.e. competing objectives for both national governments and the international community. This proposal adopts an interdisciplinary policy research approach to addressing two crucial research gaps towards cost-effective and socially compatible environmental policies in the context of the Amazon region: (1) The role of alternative instrument design options in affecting policy cost-effectiveness and welfare impacts in spatially heterogeneous bio-physical and institutional settings, and (2), quantitative measures of the resulting scope for environmental policy choice and design given multiple tradeoffs among bioeconomy development objectives. The research plan integrates bioeconomic scenario analyses with insights from econometric impact and policy case studies as well as spatial overlay and simulation techniques from environmental geography. Results are expected to support national policy makers, donors and international organizations in designing equitable and environmentally effective strategies for sustainable tropical forest bioeconomies.

 

Weblinks:

Website „Shaping Environmental Policies for Sustainable Tropical Forest Bioeconomies”

blogazonia - A blog on the environment and policies in tropical forest regions

Website Prof. Dr. Börner
 

Interview von Lisanne Riedel

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