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Interview mit Herrn Professor Bernd Diekkrüger vom Geographischen Institut der Universität Bonn

 

1. Herr Professor Diekkrüger, in Ihren Projekten untersuchen Sie u.a. die Auswirkung globaler Umweltveränderungen auf hydrologische Prozesse, Bodenerosion und Ökosysteme. Können Sie Ihre Arbeit einmal genauer für uns beschreiben?

Die Analyse der Auswirkung des Globalen Wandels setzt zunächst einmal voraus, dass man das aktuelle System verstanden hat und die derzeit ablaufenden Prozesse erfassen und bewerten kann. Erst wenn man die Gegenwart versteht, kann man versuchen, die Auswirkungen des Globalen Wandels beispielsweise auf Wasserressourcen zu quantifizieren.  

In der Hydrologie wird das Wissen oft in Computermodellen implementiert, mit denen man die Wasserflüsse berechnet sowie die Wasserressourcen quantifiziert. In meiner Arbeitsgruppe wird daher sowohl experimentell als auch theoretisch gearbeitet. Für die Entwicklung und Anwendung von hydrologischen Modellen werden Daten benötigt und diese müssen oftmals vor Ort erhoben werden. Einer meiner regionalen Schwerpunkte ist Afrika. Vor 15 Jahren habe ich mit der Forschung in Westafrika begonnen, und seit einigen Jahren bin ich auch in Ostafrika tätig. Die Arbeiten werden in enger Kooperation mit afrikanischen Partnern wie beispielsweise Universitäten und Wasserbehörden durchgeführt, wobei viele der beteiligten Doktoranden aus Afrika stammen. Die Forschung erfolgt fast ausschließlich im Rahmen interdisziplinärer Projekte, da Wasserverfügbarkeit und Wassernachfrage, Bodendegradation sowie Wasserqualität etc. Forschungsfragen sind, die nicht disziplinär zu beantworten sind.

2. Im Rahmen der Initiative „GlobeE – Wetlands in East Africa“ beschäftigen Sie sich mit der Vereinbarkeit von zukünftiger Nahrungsmittelproduktion und dem Umweltschutz.  Welches Ziel verfolgen Sie hier?

Das Projekt „Wetlands in East Africa“ ist ein vom BMBF gefördertes Projekt, welches im

 

Lake Nevasha

  Lake Nevasha 1
 

Naivashasee, Kenia. Der
Seespiegel unter
liegt
starken Schwan
kungen
und wird durch die große
Entnahme von
Bewäs-
serungswasser
für den
Rosenanbau massiv beein-
flusst

Rahmen der Initiative „GlobE - Forschen für die Welternährung“ finanziert wird und Teil der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ ist.  Das Projekt trägt den Untertitel „Reconciling future food production with environmental protection”, welcher den ambivalenten Charakter der Nutzung von Feuchtgebieten herausstellt. Es muss aber betont werden, dass es sich nicht um ein Entwicklungshilfeprojekt handelt, sondern um ein Forschungsprojekt, welches durch die enge Zusammenarbeit mit den afrikanischen Partnern Auswirkung auf das Management und die nachhaltige Nutzung haben wird. 

Die Nahrungsmittelproduktion in Afrika und besonders in Ostafrika stagniert oder geht lokal sogar zurück. Diese Entwicklung ist auf die Degradation der Böden, zunehmende Klimavariabilität und abnehmende Wasserverfügbarkeit zurückzuführen. Daher bieten Feuchtgebiete mit ihrer oft ganzjährigen Wasserverfügbarkeit, den fruchtbaren Böden und der damit verbundenen Möglichkeit, mehrere Ernten pro Jahr einzufahren, eine attraktive Alternative der landwirtschaftlichen Nutzung. 

Allerdings sind Feuchtgebiete Hotspots der Biodiversität und sollten weitgehend unter Schutz gestellt werden. Aufgrund der sich verschlechternden Umweltbedingungen bei gleichzeitig zunehmendem Druck durch das Bevölkerungswachstum werden Feuchtgebiete jedoch immer mehr genutzt, oft unkontrolliert und nicht nachhaltig. Hier setzt das Projekt an. Ziel ist es, die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtgebieten zu fördern und dabei die Belange des Umweltschutzes zu stärken.  Es geht also nicht nur darum, die Nahrungsmittelproduktion zu maximieren oder ganz zu verbieten, sondern um die nachhaltige Nutzung unter besonderer Berücksichtigung des Umweltschutzes.

Dieses ist nur in einem interdisziplinären Ansatz und in enger Kooperation mit den afrikanischen Partnern möglich. Als Hydrologe versuche ich, die raum-zeitliche Variabilität der Wasserverfügbarkeit zu verstehen und die anthropogene Beeinflussung der Wasserflüsse zu quantifizieren. Dazu müssen sowohl die Prozesse im Feuchtgebiet, als auch die Prozesse im Einzugsgebiet, aus dem das Wasser stammt, verstanden werden. Wie wirkt sich der Landnutzungs- und Klimawandel auf die Wasserverfügbarkeit aus? Wie beeinflussen diese die zeitliche Verteilung der Zuflüsse und damit die Nutzbarkeit des Feuchtgebietes? Wie beeinflusst die Nutzung des Feuchtgebietes die Wasserqualität und die Wasserquantität für die Unterlieger?

Es geht darum, die notwendigen Informationen für die anderen Disziplinen bereitzustellen, das Wissen in Computermodellen zu implementieren und mit diesen Modellen Szenarien zu berechnen. Szenarien sind hierbei komplexe Analysen der Frage „was passiert wenn“. Ich möchte zwei Beispiele nennen. Eine wichtige Frage ist die der Auswirkung des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit und damit die agrarische Nutzbarkeit von Feuchtgebieten. Eine weitere Frage wäre die der Auswirkung der ökonomischen Entwicklung auf die agrarische Nutzung und die damit verbundene Beeinflussung der hydrologischen Prozesse.

3. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse in Bezug auf Hydrologie und nachhaltige Entwicklung?

Reisanbau Tansania  

Reisanbau in einem Feucht-
gebiet in Tansania

 

Bei allen wissenschaftlichen Detailkenntnissen und bedeutenden Forschungsergebnissen ist für mich das Wichtigste die Verankerung des Wissens in den Ländern. Dies ist zunächst unabhängig von der Disziplin. Die Ausbildung sowie die gemeinsame Bearbeitung von Forschungsthemen ist aus meiner Sicht von großer Bedeutung, denn nur wenn die Kolleginnen und Kollegen bzw. die Studierenden in die Forschung einbezogen werden, wird das Wissen nachhaltig implementiert. Aus diesem Grund engagiere ich mich auch für die Ausbildung in Afrika. So bin ich beispielsweise in einem Doktorandenausbildungsprogramm an der Universität Abomey-Calavi in Benin eingebunden, welches im Rahmen des WASCAL-Projektes zum Thema Klimawandel und Wasserressourcen durchgeführt wird. Viele meiner afrikanischen Doktoranden sind jetzt an Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie in Behörden tätig und implementieren dort ihr Wissen. Dies ist zwar ein lang andauernder Prozess, aber ein wesentlicher Baustein für eine nachhaltige Entwicklung.

4. Wo sehen Sie die Stärken der Universität Bonn und ihrer Partner in Bezug auf Nachhaltigkeitsforschung?

Die Stärke der Universität Bonn ist sicherlich die Vielzahl der Disziplinen, die an der

  Reisanbau Uganda
 

Reisanbau in einem
Feuchtgebiet in Uganda

Themenstellung interessiert sind und eine regionale Fokussierung auf den Kontinent Afrika haben. Natürlich ist Afrika nicht der einzige Kontinent auf dem geforscht wird, jedoch wurden in den vergangenen 15 Jahren an der Universität Bonn eine Vielzahl großer Forschungsprojekte mit dem Fokus auf Afrika initiiert und erfolgreich bearbeitet. Als Beispiele seien hier die vom BMBF geförderten Projekte GLOWA-IMPETUS, GLOWA-Volta, Biota - Biodiversität in Afrika und WASCAL genannt sowie die von der DFG geförderte Forschergruppe  „Resilience, collapse and reorganisation in social-ecological systems of African Savannas“. In Bonn ist also eine kritische Masse an Forschern vorhanden, die zum Thema Nachhaltigkeit arbeiten und dieses schon seit vielen Jahren gemeinsam in interdisziplinären Projekten tun. Ergänzt wird diese Kompetenz durch Kolleginnen und Kollegen der Universität zu Köln und des Forschungszentrums Jülich.

5. Was würden Sie sich für Ihre zukünftige Forschung wünschen? 

Der größte Wunsch wäre natürlich, mehr Zeit für die Forschung zu haben. Als Professor ist ein wesentlicher Teil meiner Zeit für Lehre und Administration reserviert, wobei mir neben der Forschung aber eigentlich nur die Lehre Spaß macht. Ansonsten habe ich keine großen Wünsche, außer dass sich an meiner derzeitigen Situation nicht viel ändern möge. Ich habe eine Vielzahl von Forschungsprojekten die ich mit netten und kompetenten Partnern aus Deutschland und Afrika bearbeite und ich kann mit der Betreuung von Studierenden und Doktoranden genau das machen, was mir Freude bringt. Viel mehr kann man sich nicht wünschen.

6. Wie können globale Probleme in internationaler Zusammenarbeit erfolgreich gelöst werden? Welche Voraussetzungen brauchen wir dafür?

Sedimentreicher Fluss Ruanda  

Aufgrund von Bodenerosion
stark mit Sedimenten belas-
teter Fluss in der Nähe von
Kigali, Ruanda

 

Dies ist ein sehr schwieriges Thema. Es wird daher auf diese Frage keine einfache Antwort geben können. Ich kann darauf auch nur aus meiner sehr eingeschränkten Perspektive antworten, denn ich bin nicht in der Entwicklungshilfe sondern in der Forschung tätig. Für mich ist es generell wichtig, in der Zusammenarbeit die Partner näher kennenzulernen und ihnen mit Respekt zu begegnen. Wichtig ist, mit ihnen zu reden, sich auszutauschen und die Argumente des Partners anzuhören und darüber nachzudenken. Das bedeutet nicht, kritiklos alles zu akzeptieren, was beide Seiten machen, sondern in einen offenen Dialog einzutreten. Das löst zwar keine direkten Probleme, ist aber die Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

 

Weiterführende Hinweise

 

Projektbeschreibung "GlobE - Wetlands in East Africa":

„GlobeE – Wetlands in East Africa“ ist eine Initiative für globale Ernährungssicherheit und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Das Forschungskonsortium besteht aus Forscherinnen und Forschern der Universitäten Bonn, Köln und Mainz, dem Forschungszentrum Jülich sowie afrikanischen Partnern aus Kenia, Tansania, Uganda und Ruanda. In diesen vier ostafrikanischen Staaten liegen ebenfalls die vier Untersuchungsgebiete: Feuchtgebiete, die auf ihre Eigenschaften für eine zukünftige nachhaltige Ernährungsproduktion untersucht werden.

 

Aktuelle Publikation:

Speth, P., Christoph, M. & Diekkrüger, B. (Hrsg.) (2010): Impacts of Global Change on the Hydrological Cycle in West and Northwest Africa. Springer, Heidelberg, Germany. 675p.


Links:

Afrika-Strategie 2014-2018 des BMBF

Website Herr Prof. Dr. Bernd Diekkrüger

Website Forschungsgruppe Hydrologie

Forschungsprojekt GlobE Wetlands in East Africa - Reconciling future food production with environmental protection

Forschungsprojekt WASCAL (West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use)

Forschungsprojekt GlOWA IMPETUS (Integratives Management-Projekt für einen effizienten und tragfähigen Umgang mit Süßwasser in Westafrika)

 

Interview von Lisanne Riedel

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