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Interview mit Frau Dr. Alexandra Sandhage-Hofmann vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) der Universität Bonn

 

1. Frau Dr. Sandhage-Hofmann, das internationale Jahr der Vereinten Nationen 2015 steht im Zeichen der Böden. Warum ist dieses internationale Jahr wichtig? Was sind die großen Herausforderungen und drängenden Fragen dieser Zeit in Bezug auf das Thema Boden?

Ich denke, vielen Menschen ist die immense Bedeutung des Bodens nicht bewusst. Böden sind die Grundlage jeder Nahrungsmittelproduktion; in neuerer Zeit spielen sie zudem noch eine immer größer werdende Rolle beim Anbau von nachwachsenden Rohstoffen. Zudem binden sie Nährstoffe, speichern Wasser und sind wesentlich für den Hochwasserschutz. Außerdem sind Böden einer der größten Kohlenstoffspeicher der Welt und demnach auch wesentlich bei allen Fragen rund um den Klimawandel. Diese Dinge in den Fokus zu rücken, ist sicher eine der zentralen Herausforderungen. Der Druck auf die Ressource Boden ist in den letzten Jahren gewachsen. Konkurrierende Ansprüche – „feed, food, fuel, fibre“ – ziehen unweigerlich Intensivierungsprozesse nach sich und fördern nicht unbedingt einen schonenden Umgang mit der Ressource Boden. Hier gilt es, Bewusstsein zu schaffen und die Ansätze, die es im Zusammenhang mit dem Bodenschutz durchaus gibt, zu fördern.

2. In Ihren Projekten geht es u.a. um den Zusammenhang zwischen sozialen und ökologischen Systemen. Welchen Einfluss hat menschliches Handeln demnach auf Ökosysteme und umgekehrt?

Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Jedes menschliche Handeln hat einen Einfluss auf die natürliche Umwelt; dies kann ganz lokal sein oder aber auch in größeren Maßstäben sichtbar werden. Auf der anderen Seite wird das menschliche Handeln natürlich ganz stark von den natürlichen Gegebenheiten bestimmt. Wir sprechen hier von sozial-ökologischen Systemen, in denen geo-physikalische, soziale und kulturelle Subsysteme durch wechselseitige Rückkopplungen miteinander verbunden sind. Einige dieser gegenseitigen Wechselbeziehungen zwischen den Menschen werden durch Interaktionen mit biophysikalischen und nicht-menschlichen biologischen Einheiten oder ökologischen Veränderungen herbeigeführt. Zudem beeinflussen globale Veränderungen, ökonomische Globalisierung, zunehmender Wettbewerb um Ressourcen und alle damit verbundenen Veränderungen das Zusammenspiel zwischen Mensch und Umwelt. Gerade globale Aspekte spielen eine immer größer werdende Rolle. Ein Beispiel hierzu: Fruchtbare Böden sind eine begehrte Ware. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass eine Fläche von circa 100 Millionen Hektar an Großinvestoren verpachtet wurde, meist in den Ländern der südlichen Hemisphäre. Hier werden hauptsächlich für den Export Nahrungs- und Futtermittel, Biotreibstoffe oder Holz angebaut – häufig zum Nachteil der ländlichen Bevölkerung und der natürlichen Ressourcen vor Ort. Viele Menschen verlieren durch die Pachtverträge ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig erfolgt eine starke Intensivierung der Landwirtschaft mit entsprechenden Folgen für die Ressource Boden.

3. Was können wir in Deutschland für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Böden vor Ort und weltweit tun?

Durch die ständig wachsende Bebauung und Versiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie durch die ständig andauernde Ausbeutung der Bodenressourcen und Übernutzung der Kulturflächen sind Böden lokal sehr gefährdet; in Summe ist zudem das Ausmaß und die Verbreitung aller Beeinträchtigungen, auch weltweit, in sehr hohem Maße bedenklich. Die Tragweite des Flächenverbrauchs und der Bodendegradation, sowie die Tatsache der Unwiederbringlichkeit und der sehr langsamen Regenerationsfähigkeit der Böden, sind vergleichbar mit den Folgen der globalen Klimaveränderungen und mit dem Verlust der biologischen Vielfalt. Momentan gehen jedes Jahr weltweit zehn Millionen Hektar Böden verloren. In Deutschland werden jeden Tag 77 Hektar entsprechender Fläche zugebaut, so viel wie 100 Fußballfelder. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Trotzdem denke ich, dass wir in Deutschland beim Thema Bodenschutz relativ weit sind. Schon seit 1999 haben wir in Deutschland das Bundes-Bodenschutzgesetz, d.h. der nachhaltige Umgang mit dem Boden ist gesetzlich vorgeschrieben. Anders sieht es in Ländern aus, in denen aufgrund von starkem Bevölkerungswachstum ein ganz anderer Druck auf den Boden herrscht. Nach Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) von 2012 wuchs innerhalb der vergangenen 50 Jahre die landwirtschaftliche Fläche in Entwicklungsländern um 107 Millionen Hektar, und damit verbunden kam es gleichzeitig zu einer Intensivierung des Anbaus. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten, aktiv zu werden: angepasster Ackerbau, schonende Bodenbearbeitung, Düngeempfehlungen, neue Bewässerungsverfahren, aber möglicherweise auch die Rückbesinnung auf alte schonende Anbauverfahren. All dies sind Maßnahmen, die weltweit noch stärker Berücksichtigung finden müssen.

4. Was würden Sie sich für Ihre zukünftige Forschung wünschen?

Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr Projekte gefördert werden, die ganz verschiedene Fachrichtungen vereinen. Hiermit meine ich in erster Linie die Verbindung von Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften. Ein gutes Beispiel ist unsere Forschergruppe 1501 „Resilience, Collapse and Reorganisation in Social-Ecological Systems of East- and South Africa's Savannahs“, in der Vertreter ganz unterschiedlicher Disziplinen an einer Fragestellung arbeiten. Wir sind hier Bodenwissenschaftler, Pflanzenbauer, Ethnologen, Geographen, Sozialwissenschaftler und Wirtschaftsexperten. Natürlich ist es nicht immer einfach, da Ökologen und Sozialwissenschaftler eine unterschiedliche „Sprache sprechen“. Aber meiner Ansicht nach ist das der Weg, um in der Zukunft echte Lösungsansätze für die globalen Probleme der Welt zu finden. Niemand sollte mehr in seiner eigenen, ich nenne es mal, kleinen Disziplin verharren. Der Blick über den Tellerrand hinaus eröffnet Möglichkeiten.

5. Wie können globale Probleme in internationaler Zusammenarbeit erfolgreich gelöst werden? Welche Voraussetzungen brauchen wir dafür?

Viele Maßnahmen, Böden bzw. ganz allgemein natürliche Ressourcen zu schützen, scheitern daran, dass lokale Akteure nicht eingebunden und auch die lokalen Gegebenheiten vor Ort nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Einbindung von Wissen und Ansichten vor Ort ist neben der Etablierung lokaler Forschungskapazitäten und Abstimmungsprozessen für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit unverzichtbar. Nur so können globale Probleme gelöst werden. Hierzu gehört auch die Erkenntnis, dass Probleme auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen wirken und auch so betrachtet werden müssen.
   

 

Weiterführende Hinweise


Projektbeschreibung: Subproject “Vulnerability and Resilience of Soils under different Rangeland Use, South Africa” (FOR 1501:“Resilience, Collapse and Reorganisation in Social-Ecological Systems of East- and South Africa's Savannahs”) (in englischer Sprache)

South Africa’s rural areas are currently undergoing rapid changes due to land tenure reform and changing patterns of land use. This project focuses on the mutual interdependencies of soil and vegetation dynamics and social change in two selected areas of South Africa: (1.) grassland in the Orange Free State and (2.) savannah in the Northern Cape/Northwestern Province. Changes in the grass communities (i.e. increase in the abundance of unpalatable sour grasses) and invasions of woody plants are severely threatening the economic viability of pastoralism in both biomes. However, the causes of and the processes involved in these changes and human interactions with them remain poorly understood.

Our aim is to elucidate how and to which extent soil properties respond to different types and intensities of rangeland use in the grassland and savannah biome in semiarid South Africa. The selection of study sites will systematically take into account different tenure systems (pastures held in common property, municipal commonages, commercial farms, resettlement farms) and nature reserve areas and explore how these tenure regimes and soil/vegetation dynamics interact. Each site includes a series of different degrees of changes in species composition (grassland biome) and bush encroachment (savannah biome) as induced by different land use histories, different grazing intensities or by different restoration practices (e.g. holistic farming, herbicide application, and reseeding in the grassland biome and bush combating with fires, chaining and herbicides in the savannah biome). Soil properties are characterized by the spatial distribution of nutrients and water, the aggregate stability and by the analyses of biomarkers along the selected sites of different systems of rangeland management in both biomes.

 

Publikationen (Auswahl):

Sandhage-Hofmann, A. et al., 2015. Rangeland management effects on soil properties in the savanna biome, South Africa: A case study along grazing gradients in communal and commercial farms. Journal of Arid Environments, Volume 120, September 2015, Pages 14–25

Kotzé, E. Sandhage-Hofmann, A., Meinel, J.-A., du Preez, C.C., Amelung, W., 2013. Rangeland management impacts on the properties of clayey soils along grazing gradients in the semi-arid grassland biome of South Africa. Journal of Arid Environments 97, 220-229

Rehbein, K., Sandhage-Hofmann, A., Amelung, W., 2015. Soil carbon accrual in particle-size fractions under Miscanthus x. giganteus cultivation. Biomass and Bioenergy 78, 80-91

 

Weblinks:

Karte „Global Assessment of the Status of Human-Induced Soil Degradation” (1990)

Website Bodenwissenschaften Universität Bonn

Website International Year of Soils
 

Interview von Lisanne Riedel

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